Extinction Story
Es gibt kein besseres Maskottchen für das Schöne am Weltuntergang als Vögel. Als protzige Dinos regierten sie einst die Welt, und dann plötzlich, schwupp, war alles vorbei. Aus Diplodocus und T-Rex wurden Storch und Spatz. Und aus dem Brüllen ein Zwitschern.
Claudia Larchers Essay-Film Extinction Story erzählt vom Aussterben. Zwar ohne Dinosaurier, aber anhand einer geerbten Eiersammlung kreisen ihre Gedanken um Ordnungen, die vergehen.
Sie erzählen von Josef, der Soldat ist, seinen Sohn verliert und in den Vögeln Sinn findet. Und vom Wunsch, die Welt zu schrumpfen, um sie zu ordnen.
„Vielleicht ist das Sammeln ein Versuch, das Schicksal nicht der Geschichte zu überlassen”, denkt Larcher im Off-Kommentar zu Schwarzweißfotos ihres Großvaters nach, der mit Umhänge-Kamera inmitten einer Kolonie von Papageientauchern posiert. „Wer erlebt hat, das Systeme zusammenfallen, baut sein eigenes”, wird postuliert.
Um Josef geht es bald schon nicht mehr. Die Kamera springt zwischen nah und fern, zwischen Makro - und Mikrokosmos. Eierschalen werden zu zerbrechlichen Landkarten, und Vögel treten vor die Linse. Warum ist jeder Versuch, ihr Zwitschern zu verstehen, zum Scheitern verurteilt? Und ist das nun Kiebitz oder Motorsäge?
Larcher stellt all diese Fragen in einem entspannt aus der Zeit gefallenen Ton. Das wirkt fast schon modern in einer Gegenwart, in der wir ständig von digitaler Verzerrung und AI-Slop umzingelt sind. Zutiefst menschlich geht es also um menschliche Endlichkeit. Vom Traum von Ordnung – und wie uns diese immer wieder aus den Händen gleitet. Dazu brodeln und flirren Klänge von Ursula Winterauer alias Gischt. Verschwinden, so lernt man, kann so schön sein. Und elegant. Larcher begegnet dem Ende wie einer wertvollen Eiernschalensammlung – mit Samthandschuhen. (Paul Buschnegg)
Extinction Story
2026
Österreich
17 min